Kendallville / USA 2009

Reisebericht Kendallville / USA
Anreise
Die Anreise von Bielefeld zum Frankfurter Airport erfolgte mit einem Mietwagen.
Der Flug von Frankfurt nach Detroit dauerte ca. 9 Stunden. Der ersten freudigen Überraschung, dass das Flugzeug nicht voll besetzt war, wich bald die genervte Erkenntnis, dass sich leider vor mir auf den 4 Mittelsitzen eine Familie irgendwo aus dem arabischen Raum platziert hatte, deren Kinder wohl irgendwie dem irrigen Glauben verfallen waren, das Flugzeug gehöre ihnen. Ebenso wohl auch die Ehefrau, welche sich in keinster Weise um die kleinen Abdul's kümmerte, die bald laut nervend und schreiend vor mir auf den Sitzen herum turnten und sich auch nicht zu blöd waren, mich über ihre Rückenlehne anzuglotzen. Nun ja, Gott sei Dank geht jeder Flug irgenwann zu ende und meine Taktik der Ignoranz mit Kopfhöhrer dem Kinoprogramm folgend, hatte schließlich auch größtenteils Erfolg.
Auf dem Flughafen von Detroit ging es gleich zur Autovermietung, wo wir einen weißen Toyota bekamen. Sehr zur Enttäuschung unseres Fahrerkollegen, der eigentlich mit typisch amerikanischem Blech gerechnet hatte wie ein Van, Pickup oder eine breite Limo. Nix da, europäischer Standard ist auch hier angesagt. Wohl nicht zuletzt wegen des Spritverbrauches.
Nachdem wir dann das Navi mit dem dazugehörigen Sandsack (eine Halterung wie bei uns kennt man dort weniger, das Navi wird eher auf einem schwarzen, flachen Sack montiert der mit Sand gefüllt zu sein scheint und dann einfach auf das Armaturenbrett gelegt wird) auf unseren Zielort eingestellt hatten, ging es auch schon los.

Verkehr
Die Strassen sind zwar gut ausgebaut, doch schienen auch schon vor längerer Zeit mal eine Affrischung bekommen zu haben. Highways ähneln oft unseren Betonpisten mit den obligatorischen Betonplatten mit welchen die Fahrbahn gebildet wird. Hier sei gleich einmal auch auf die Bedeutung der unterschiedlichen Strassentypen hingewiesen:
Interstate Highways ähneln unseren Autobahnen. Das sind die Teile, welche man in Filmen immer als Highways verkauft bekommt. Breite, 2-3 spurige Richtungsfahrbahnen mit einem grünen Mittelstreifen von sicher 10m Breite und dahinter die Gegenfahrbahn. Hier darf man 70 Meilen fahren (1 Meile sind ca. 1,6km, ergo ca. 112km/h. Wir als deutsche Autobahnraser jenseits der 140km/h sind da eher etwas erstaunt wie gemütlich es voran geht. Aber die Amerikaner sind da fast durchweg mit zufrieden. Einige Ausnahmen natürlich ausgeschlossen.
Highway bezeichnet hier nicht die von uns geglaubte Autobahn oder Schnellstrasse sondern erinnert auffallend an eine handelsübliche, deutsche Land- oder Hauptstrasse. Natürlich ohne Seitenstreifen oder Gehweg etc.. Hier darf man sich mit 55 Meilen fortbewegen (ca. 88km/h)
Ansonsten erinnert der Verkehr stark an unsere Verhältnisse. Ebenso wie die Straßen. Natürlich gibt es Unterschiede in den Ampelanlagen und Verkehrsschildern.

Hotel
Unser Hotel war ein 'Holiday Inn' am östlichen Rand von Kendallville gelegen, welches wir nach einem 'McDonalds-Stop' nach ca. 3 Stunden für ca. 170km erreichten. Das Haus war in der typischen, weit verbreiteten Holzbauweise errichtet und verfügt über 2 Etagen. Wir wurden in der 2. Etage einquartiert. (EG = 1.Etage, 1OG = 2Etage). Das Zimmer war geräumig und bequem ausgestattet mit einem breiten, amerikanischem Bett mit den dazugehörigen doppelten Kissen, einem Schreibtisch und einem TV ausgerüstet. Das Frühstück hatte dagegen weniger zufriedenstellende Argumente. Besser gesagt sind wir eben als Deutsche eher internationales Frühstück gewohnt. Zwar gab es Eier mit Speck oder auch Würstchen, aber sonst eher eine Vielzahl an 'Popcorns' etc., Muffins und auch Toast. Allerdings keinen geeigneten Brotbelag außer Butter und Marmelade in Kunststoffdöschen. Alles in Allem konnte man sich aber gut satt essen.
Den Pool haben wir immer nur auf dem Weg vom und zum Zimmer gesehen doch leider nie genutzt. Der Aufenthalt im Hotel war durchaus okay. Bis auf einen Feueralarm welcher uns nachts gegen 3 Uhr aus dem Bett warf mit eindriglichem, schrillen Hupton (den ich allerdings erst nach massivem Klopfen meines Kollegen an der Zimmertüre mitbekam) und uns zum Sammeln vor dem Hoteleingang zwang. Nachdem dann die Feuerwehr einen dusseligen Fehlalarm in einem Küchensensor festgestellt hatte, konnten wir nach ca 40 Minuten wieder auf unser Zimmer und die restlichen Stunden schlafen.

Kendallville
Eine typische amerikanische Kleinstadt auf dem Lande. Wie bei uns gibt es hier ein Industriezentrum am östlichen Ortsrand, in welchem auch unser Hotel und die Niederlassung zu finden waren. Fast-Food-Ketten haben hier allesamt Zweigstellen errichtet. Da gibt es Burger King, KFC, McDonalds, Applebees, Tacco Bell, Wendys und noch einige kleine Andere. Man kann sich überall durch futtern und bekommt dazu monströs anmutende Becher für Cola usw. die sicher gut einen Liter fassen. Allerdings waren hier nicht alle Lokalitäten im ordentlichen Zustand. Im Burger King gab es z.B. halbrund gebogene Deckenplatten welche unter ständiger Undichtigkeit des Daches litten und man konnte auch sehen dass es an mindestens 3 Stellen ständig tropfte. Es ist nicht überall so gemütlich her gerichtet wie oft bei uns, aber durchaus akzeptabel.
Ebenso monströß gaben sich auch diverse Gebinde im benachbarten 'WAL-Mart'. 'Dr. Peppers' (eine Cola-Art) und viele andere Getränke gab es dann minimal in 2 Liter PET-Flaschen. Chipstüten hatten fast durchweg eine Größe von mindestens 400 Gramm Inhalt. Also ausreichend für einen Fernsehabend.
Vielmehr haben wir vom Ort nicht gesehen, außer bei einem kleinen Abstecher auf der Hauptstrasse ans andere Ende der Stadt, wo sich eben die gewohnten Wohngebiete mit Einkaufsläden und Fast-Food-Restaurants ablößten.

Menschen
Die Menschen die mir begegnete sind, waren allesamt freundlich. Man wurde auch hin und wieder wie selbstverständlich angesprochen, gefragt wo man her kommt und einiges mehr. Jedoch nicht aufdringlich, sondern freundlich interessiert, so als ob es eben zum täglichen Umgangston dazu gehört. Man lebt eigentlich ähnlich wie bei uns, wobei es mir scheint als ob der Amerikaner doch noch etwas mehr an das TV gebunden zu sein scheint als wir. Selbst bei einem Essen bei 'Applebees' gab es mindestens 3 große Flachbildschirme die auch im Kreis um Tischgruppen angeordnet waren, so dass wer wollte immer auch dabei TV schauen konnte. Und doch ist es gemütlich und nicht hektisch.

Fort Wayne
Die nächst größere Stadt ist Fort Wayne, welche knapp eine Stunde entfernt liegt. Sie ist wohl mit eine der größten Städte im Bundesstaat Indiana. Hier gibt es schon viel mehr zu sehen. Die Strassen sind breit und es gibt viele Einkaufscentren, Mall's, in denen das Angebot dem Unseren nicht nachsteht. Hier sind alle Waren zu bekommen, einschließlich der typischen Exclusivmarken. Natürlich finden sich auch hier wieder die Fast-Food-Ketten und man fühlt sich eigentlich doch fast wie zu Hause und findet sich auch schnell zurecht. Hier gibt es dann auch hin und wieder Bereiche, in welchen man Steinhäuser findet und solche, die schon mehr Wohlstand zeigen. Kleine Villen wechseln sich mit dem typischen Baustil ab.

Allgemeines
Was uns aufgefallen ist auf dem Weg vom und zum Flughafen, sind hier und da eingefallene Häuser. Die weit verbreiteten Holzhäuser sehen oft nicht so sehr gepflegt aus, sind etwas verkommen und, wenn sie denn mal verlassen werden oder zu alt sind, fallen sie auch gerne einfach in sich zusammen und werden auch so liegen gelassen. Ebenso geht es mit Auto's: man sieht öfter verrostete und zerlegte Auto's neben den Häusern stehen gerade so, als ob man sie einfach vergessen hat und sich niemand mehr darum kümmert. Ebenfalls fehlt es an Vorgärten. Eigentlich stehen viele Häuser außerhalb des Stadtkernes einige Meter neben der Strasse (Highway) die ebenfalls keinen Gehweg neben sich hat. Davor steht auch öfter mal ein Pick-up oder eben ein normaler PKW. Wege zu dem Haus gibt es sehr selten. Eigentlich wird hier über die 'Wiese' gegangen um zum Haus zu gelangen. Mit der Platz für das Auto sieht es ebenso aus.
Viele Häuser haben eine Veranda und ähneln daher ein klein wenig den typischen Südstaatenhäusern. Allerdings lange nicht so stattlich. Im allgemeinen haben wir auf dem Weg von Detroit nach Kendallville eher einen Eindruck von Vernachlässigung bekommen.

Rückreise
Die Rückreise ähnelte der Anreise logischerweise stark. Allerdings haben wir ein wenig Zeit nutzen können um hier noch 2-3 Outlet-Center zu besuchen und einzukaufen.
Der Rückflug war zwar nicht durch nervende Kinder beeinträchtigt, jedoch hatte ich neben mir einen etwas senilen, älteren französischen Herren sitzen, der mit so garnichts zurecht kam. Weder mit der englischen Sprache, noch mit der Technik im Flugzeug. Seine Schuhe die er ausgezogen hatte machten sich dann auch ein wenig unter den Sitzen selbstständig und nicht zuletzt lief er auch einmal auf dem Weg von der Toilette zu seinem Sitz zurück einfach an diesem vorbei, obwohl ich schon bereitwillig im Gang stand um ihn zu seinem Sitz zu lassen.

Das Highlight war allerdings der Mietwagen vom Frankfurter Airport zurück nach Hause. Ein fast nagelneuer Mercedes C-Kombi. Ein schönes und bequemes Auto. Allerdings streikte hier die Technik einige male und zwar in soweit, als dass die Motorsteuerung wohl zeitweise nichts mehr mit dem Gaspedal zu tun haben wollte. Bedeutet: man gibt Gas aber nix passiert. Selbst bei dem Versuch das Gaspedal durch das Bodenblech zu treten rührte sich der Motor in keinster Weise. Nachdem wir so bis kurz hinter Wetzlar gekommen waren, ging dann garnichts mehr und wir riefen die Autovermietung an. Unverständnis auf der anderen Seite mit Erklärungen, dass da noch eine Umschaltung am Schalthebel sei und dies und das..... nichts zu wollen, er streikte. Der Mensch am Telefon streikte auch, bis wir nach einem Rückruf dann doch erleichtert vernahmen, dass jemand vorbei kommen würde. Da wir ja schon 9 Stunden Rückflug hinter uns hatten und dieser ja auch am nachmittag von Detroit los ging, waren wir inzwischen gelinde gesagt saumüde. Ein Abschleppwagen kam und transportierte uns kurzerhand samt Auto nach Wetzlar zurück wo man sich in einer Mercedeswerkstatt dem Auto annahm. Leider konnte man keinen Fehler feststellen, fuhr eine Runde zur Probe und gab uns den gleichen Wagen mit den Worten zurück: wir können nichts finden und auch das Steuergerät hat keinen Fehler aufgezeichnet. Also im Klartext: ihr seid zu blöd zum Autofahren.
Ziemlich genervt und inzwischen 4 Stunden später (!), solange hatte es vom ersten Anruf bis jetzt mit Telefonaten, Abschleppen und 'Reparatur' gedauert, wurde unsere Stimmlage schon wesentlich lauter und wir verstanden nicht, warum man nicht einen Ersatzwagen schickte. Da aber nichts zu bewegen war und wir inzwischen VOLLKOMMEN SAUMÜDE und total genervt nur noch nach Hause wollten, stiegen wir wieder ein und fuhren weiter. Natürlich mit gleichem Ergebnis gerade in einer Baustelle bei Olpe, worüber die LKW-Fahrer hinter uns sichtlich empört waren und uns lautstark und lichthell zu verstehen gaben, wir sollen gefälligst schneller fahren. Okay, wie denn wenn die Karre nicht will?? Irgendwie haben wir es dann doch noch zurück geschafft und haben auch nur 7 Stunden für den Weg gebraucht, der eben sonst nur 3 Stunden gedauert hätte.

 

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